Ein Deck Chair ist Wirklich Wichtig

Hat der geneigte Leser schon einmal in einem Deck Chair gesessen? Sie stehen gelegentlich in Strandbars, wohl auch an Decks irgendwelcher Kreuzfahrtschiffe oder eben auch auf der Terrasse unseres Urlaubsdomizils. Ich mache mal ganz allgemein am Deck Chair fest, wenn ich postuliere, dass Orte zum Einfach-so-dasitzen-und-die-Gedanken loslassen wichtig sind.

In einer der aktuellen GEOs ist ein Artikel, den ich gelesen und nicht unkommertiert lassen möchte. In GEO Nr. 08/2016 beschreibt der Autor des Artikels “Die Kunst des Loslassen”, wie wichtig es ist, die Gedanken treiben zu lassen. Er beschreibt die Zertreuung als Pendant der Konzentration. Sie sei gleichberechtigt, gleichwichtig und keineswegs weniger produktiv – nur eben etwas in Verruf geraten.

Ich habe es selbst erlebt, dass Ideen und Problemlösungen quasi von alleine entstehen, wenn ich sie nicht mittels konzentrierter Denkarbeit herbeizwingen will. Es bedarf der Gelegenheit der Zerstreung und des inneren Loslassens. Wo ich  nun zumindest meine Vorbehalte habe, ist der Weg zur Zerstreuung. Der Autor postuliert, der Aufenthalt in sozialen Netzwerken, beim Chatten, Twittern und weiteren Aktivitäten sei ein valider Weg zur Zerstreuung. Seine Annahme ist, Wissen wird unter Nutzung des Internets neu vernetzt. Dieses Netz sei der Spiegel zur Zertreuung des Geistes im Gegensatz zur Konzentration und Zentralisierung.

Das möchte etwas ausdifferenzieren. Der geneigte Leser möge es mir das etwas defätistische Wort verzeihen: Kann ich wirklich meinen Geist beim Daddeln in sozialen Netzwerken fließen lassen? Schränke ich mich nicht ein, wenn ich vorgefertigte Dinge kosumiere? Wo sind die Freiräume, in die meine Gedanken strömen?

Oder sehe ich das zu eingeschränkt: Bekomme ich vielleicht auch beim Daddeln Anregungen für meinen zerstreuten Geist, der mal hier und mal da klickt, Posts liest und antwortet und schon wieder beim nächsten Snap ist? Ja, mag sein.

Wie kommt nun der Deck Chair ist Spiel? Mein Geist tickt anders: Er fließt nicht, wenn ich mit den Augen beschäftig bin. Ich nutze Anregungen aus dem Netz (ja, auch durch das Daddeln), durch Gespräche mit Menschen, die mir gegenüber sitzen und mir eine Antwort geben, die ich mit allen Sinnen interpretieren und wahrnehmen kann. Zum Loslassen brauche ich dann aber die körperliche Entspannung ohne visuelle Eindrücke: mit geschlossenen Augen im Deck Chair  sitzen. Gerne auch mit etwas sanfter Musik. Dann erst fließen die Gedanken von alleine.

Was bleibt für mich?

Moderne Zeiten bieten viel Stoff für das Hirn. Wir holen mit wenigen Klicks neue Welten ins Wohnzimmer oder in die UBahn – wann und wo immer wir wollen. Das sind Anregungen. Ich werde versuchen, dem Fließenlassen der Gedanken mehr Raum zu geben, denn die Anregungen sind erst dann welche, wenn sie etwas anregen. Das können sie dann mal versuchen, wenn ich auf dem Deck Chair sitze, den ich noch nicht habe.

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