Ich hatte ja schon von meiner Achterbahnfahrt in 2025 in meinem Blogpost zum Perspektivwechsel berichtet. Gegen Ende des Jahres ist noch als ein weiterer Looping in der Achterbahnfahrt meine Erkrankung hinzugekommen. Für Euch als treue Leser:innen dieses Blogs war es sicherlich verwunderlich, dass ich mich hier so rar gemacht habe. Nun: Ich freue mich, dass ich wieder am Rechner sitzen und schreiben kann.
Was bleibt, ist die Suche nach innerer Stabilität, um die äußeren und inneren Schwankungen des Lebens mitzugehen – wie auf einem schwankenden Schiff im Sturm, auf dem man trotzdem Kochen und auf Klo gehen muss. Ich bin aber nicht der einzige Mensch auf Erden mit persönlichen und beobachteten Schwierigkeiten. In solchen Momenten hilft es mir, mich umzusehen: Wie gehen andere mit dieser Sinnsuche um? Was sagen Philosophie und das Internet dazu?
Albert Camus hat es auf den Punkt gebracht: Ich muss nicht auf eine Antwort warten, wenn ich das Leben nach seinem Sinn frage. Es wird mir nicht antworten. Stattdessen muss ich selbst handeln – und meinem Leben Sinn geben.
Für mich folgt daraus die einfache und radikale Erkenntnis, die mir hilft, mich zu orientieren: Ich kann und muss das Leben gar nicht verstehen. Es ist aus sich heraus sinnlos, absurd und einfach da. Aber ich kann ihm einen Sinn geben – und es trotz allem leben.
Man könnte also meinen, der Sinn des Lebens ist, ihm einen Sinn zu geben.
Wie geht das angesichts des Todes, angesichts des Sturzes aus der Selbstbestimmtheit in die Abhängigkeit? Das ist eine individuelle Aufgabe, die ihr als Expert:innen eures Lebens bearbeiten müsst. Ihr könnt andere auf Euren Weg einladen, Ihr könnt andere auf ihrem Weg begleiten – es bleibt aber eure eigene Aufgabe. Das nicht-aktive Bearbeiten der Aufgabe lässt euch passiv im Strom des Lebens treiben – das ist OK, es ist auch eine Entscheidung. Ihr könnt Euch also gar nicht nicht zum Leben verhalten: Auch die Weigerung, es aktiv zu gestalten, führt zu einer Gestaltung eures Lebens.
Mir hat eine gewisse Trotzhaltung und die Überzeugung geholfen, dass ich nicht nur für mich allein lebe. Ich bin eingebettet in ein soziales Netz und übernehme dadurch auch Verantwortung für andere. Das Netz wird mit mir als Knoten und Ausgangspunkt für weitere Maschen vollständiger und tragfähiger für die Gemeinschaft in der ich lebe.
Und angesichts des Todes? Das Schicksal vom Tod ist, dass wir ihn meistens fürchten oder ablehnen – aber er bleibt trotzdem da. Er ist wie das Wetter: Wir sind ihm egal. Wenn wir ihn aber nicht loswerden können, sollten wir aufhören, Energie in die Feindschaft zu ihm zu stecken. Der Tod wird immer mit am Tisch sitzen – eingeladen oder nicht.
Aber wir entscheiden, was auf dem Tisch steht.
Und heute am Tisch: ein Grill, Freunde, gemeinsame Zeit, Erinnerungen.
Also: Lasst uns angrillen!
Was bleibt für mich?
Einfach für mich und die anderen da sein, heute leben und ein bisschen für morgen vorsorgen. Und fürs Angrillen einkaufen.